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Wann das Jugendamt einschalten? - Fachkräfte diskutieren in Merzen über Kindeswohl

Bei der Infoveranstaltung "Kinderschutzauftrag“ im Merzener Jugendhaus tauschten sich die Teilnehmer auch über Kooperationsmöglichkeiten aus. Foto: Netzwerk

Merzen. Was kann ich als Fachkraft tun, um die Situation des Kindes zu verbessern? Ab wann sollte das Jugendamt informiert werden? Um diese und weitere Fragen beantwortet zu bekommen, kamen insgesamt 32 Fachkräfte ins Merzener Jugendhaus.

Rund um das Thema Kinderschutzauftrag drehte sich laut Mitteilung der Organisatoren die Veranstaltung, zu der das Pädagogische Netzwerk der Samtgemeinde Neuenkirchen eingeladen hatte. Mareike Lager vom Fachdienst Jugend sowie Diplom-Psychologin Anja Prante waren die Referentinnen. Mareike Lager vom Fachdienst Jugend erklärte, dass der Landkreis jeweils in acht Sozialräume unterteilt sei. Der Sitz des Sozialraumes zwei, der aus der Samtgemeinde Neuenkirchen sowie aus der Samtgemeinde Bersenbrück bestehe, liege in der Hasestadt. Dieses Prinzip der Dezentralisierung ermögliche, dass jeder Betroffene die Gelegenheit habe, ortsnahe Hilfe zu bekommen. Jede Fachkraft, die beruflich mit Kindern oder Jugendlichen zu tun hat, sei gesetzlich dem Kinderschutz verpflichtet.

Die Situation richtig einschätzen

Aber wie genau soll das passieren? Und ab wann sollte man externe Institutionen wie das Jugendamt informieren? Zunächst sei es wichtig, dass jede Fachkraft versuche, eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen und die Situation der Kindeswohlgefährdung abzuwenden. Die Formen der Kindeswohlgefährdung reichten von körperlicher Misshandlung und häuslicher Gewalt bis zur seelischen Misshandlung. Die Alarmierung des Jugendamts sei erst einer der letzten Schritte. Um bestimmte Schritte einleiten zu können, müssten dem Jugendamt Beweise vorliegen. Mareike Lager erklärte, dass der Begriff „Jugendamt“ oft negative Assoziationen bei den Betroffenen auslöse. Natürlich sei das Jugendamt auch ein „Wächteramt“ und könne die notwendigen Schritte einleiten, jedoch sei das primäre Ziel die Erhaltung von Familiensystemen.

Auf die Mitarbeit der Familien angewiesen

Um das sicherzustellen, bietet der Fachdienst Jugend einen frühzeitigen Zugang zu Hilfen an. Wichtig für deren Erfolg sei jedoch die Mitarbeit der Familien, denn ohne deren Mitarbeit könne man nichts erreichen. Deshalb sei es auch am Anfang oft wirkungsvoller, wenn eine Fachkraft wie zum Beispiel eine Lehrerin, die schon in Kontakt mit der Familie steht, das Gespräch mit der Familie sucht und Hilfen anbietet. Jede Fachkraft, so Lager, habe einen Rechtsanspruch auf Beratung durch eine erfahrene Fachkraft wie zum Beispiel eine Psychologin, wenn sie Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung wahrnehme. Die Einbeziehung dieser Hilfe stelle eine gute Möglichkeit für die Fachkräfte dar, sich Hilfe für die schwierige Frage der Risikoeinschätzung zu holen.

Psychologin demonstriert Liveberatung vor Ort

Um noch einmal darzustellen wie ein potenzieller Fall fachlich behandelt und eingeschätzt werden könnte, gab Diplom-Psychologin Anja Prante eine Liveberatung. Als zu beratende Fachkraft stellte sich Marianne Thünker zur Verfügung, die einen alten Fall vorstellte. Dabei wurde noch einmal deutlich, wie hilfreich eine Beratung sein kann. Das Ziel der Beratung sei es, eine Lösung und eine weitere Vorgehensweise zu finden, wie die Fachkraft mit der Familie vorgeht. „Das tut einfach gut, mit jemanden von außen darüber zu reden und Rückmeldung zu bekommen“, stellte Marianne Thünker fest.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1201889/fachkraefte-diskutieren-in-merzen-ueber-kindeswohl

 

 
1. Mai 2018, 14:06 Uhr