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41 Jahre im Lehrerberuf - Goode-Weg-Schule Neuenkirchen verabschiedet Adalbert Wegmann

Sein Büro im ersten Stock der Goode-Weg-Schule Neuenkirchen wird Adalbert Wegmann erst in der kommenden Woche ausräumen. Nach 41 Jahren im Schuldienst, davon fast 32 Jahre an der Oberschule Neuenkirchen, hat sich der Pädagoge in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Christian Geers

Neuenkirchen. 41 Jahre lang hat Adalbert Wegmann ungezählte Schüler unterrichtet – in fast jedem Fach, nur nicht in Textilem Gestalten und Schwimmen. Mit 64 Jahren geht der Pädagoge nun in den Ruhestand. Die Goode-Weg-Schule verliert einen Lehrer, der in fast 32 Jahren Spuren hinterlassen hat.

Am Tag nach seiner Verabschiedung wirkt Adalbert Wegmann entspannt und gelöst. Von Wehmut ist nichts zu spüren. Seinen Abschied aus dem Schuldienst betrachtet er unaufgeregt. „Es ist jetzt der Punkt gekommen, wo ich sage: Es ist gut“, sagt er. Er geht weder im Zorn noch hat er diesen Abschied herbeigesehnt. Die Entscheidung ist wohlüberlegt und auch seiner Gesundheit geschuldet. „Du kannst irgendwann nicht mehr so schnell Kräfte produzieren, wie du eigentlich verbrauchst.“

Erhalt des Schulstandorts ein Anliegen

Mit exakt 31,5 Dienstjahren verlässt damit das letzte Urgestein die Neuenkirchener Oberschule. Es geht ein Pädagoge, der die Entwicklung der Schule maßgeblich mitbegleitet und mitgestaltet hat und der Kollegium, Schülern und Eltern als Lehrer zeigt, dass er seinen Beruf als Berufung empfindet. So erlebt Ernst-August Schulterobben den 1953 in Lutten geborenen Kollegen in der fast neunjährigen Zusammenarbeit. Der Schulleiter lobt Wegmann, der „vorausschauend, kritisch und kooperativ“ pädagogische wie organisatorische Aufgaben angehe und dem der Erhalt des Schulstandorts Neuenkirchen ein wirkliches Anliegen gewesen sei. Stets habe sich Adalbert Wegmann die Frage gestellt, was gut für Schule und Schüler sei. Die Oberschule Neuenkirchen, die seit August 2016 Goode-Weg-Schule heißt, sei ihm ans Herz gewachsen. Das könne man unterstellen bei fast 32 von 41 Dienstjahren, so Schulterobben.

Existenz der Hauptschule Neuenkirchen war 1986 gefährdet

Als Adalbert Wegmann am 1. August 1986 mit 33 Jahren nach beruflichen Stationen in Osnabrück und Herzlake nach Neuenkirchen kommt, ist die Existenz der damaligen Hauptschule gefährdet. „Wir waren acht Lehrer und 88 Schüler“, erinnert sich der 64-Jährige. „Es ging gleich um die Frage, was zu tun ist, um den Standort zu halten.“ Die Situation ist keine einfache, und eines vermag auch Wegmann nicht zu verändern: Durch ihre geografische Lage steht die Neuenkirchener Schule stärker als andere in direkter Konkurrenz zu umliegenden Schulen. Nicht weniger schwierig: Das Image der Hauptschule ist bundesweit nicht das allerbeste. Hauptschule gleich Restschule, meint der Volksmund.

Unverwechselbares Profil

Wenn Schule sich dagegen behaupten will, muss sie also etwas bieten: „Das gelingt, wenn sie pädagogisch der Zeit weit voraus ist und ihre Angebote über reinen Unterricht weit hinaus gehen“, weiß Adalbert Wegmann. Zusammen mit seinen Kollegen arbeitet er daran, der Schule ein unverwechselbares Profil zu geben, legt den Schwerpunkt auf die Berufsorientierung. Er initiiert mit Kollegin Cornelia Heimbrock Projekte wie „Ich geh mit dir zur Arbeit“ und „Berufsreporter“. Diese bringen Schüler früh in Kontakt mit Firmen und vermitteln einen praktischen Einblick ins Berufsleben. Es entsteht ein enges Netzwerk, von dem Schule und Unternehmen in der Samtgemeinde Neuenkirchen profitieren: Jeder weiß, was der andere zu leisten imstande ist.

Unterrichtsprojekte werden zur Blaupause für andere Schulen

Viele dieser Projekte, die die Kompetenzen der Schüler fördern, finden Eingang in Schulbücher und werden zur Blaupause für andere Schulen, auch das Kultusministerium wird auf die Ideen der Neuenkirchener Pädagogen aufmerksam. Die Hauptschule, die in den 1990er-Jahre einen Realschulzweig erhält und schließlich zur Oberschule wird, setzt früh um, was erst später im Schulgesetz steht. „Das hat zum Erhalt des Standorts beigetragen“, sagt Wegmann, seit 1997 Konrektor der Schule, die heute 240 Schüler zählt.

Zupackende Art, verbindliches Wesen

Als Lehrer ist Adalbert Wegmann beliebt: Er ist direkt, ehrlich, nennt Probleme beim Namen, begeistert durch seine zupackende Art und sein verbindliches Wesen. Der 1,90-Meter Mann mit üppiger, inzwischen weiß gewordener Haarpracht besitzt eine natürliche Autorität. Damit gibt er Schülern Orientierung. Die kräftige Stimme hilft, ihnen Grenzen aufzuzeigen. Das Wichtigste ist für ihn, „eine Beziehung zu Schülern aufbauen und zu gucken, wie du ihnen die Inhalte vermittelst, dass du viele Erklärungswege findest und alle Sinne ansprichst“.

Mehr Zeit zum Musizieren und Komponieren

Das ist nun vorbei. Aber ganz weg ist der Konrektor noch nicht: Sein Büro im ersten Stock wird der 64-Jährige in der kommenden Woche ausräumen und dem Nachfolger noch das eine oder andere erklären. Auch den Stundenplan für das zweite Halbjahr wird Wegmann zusammenstellen. Den Ruhestand lässt der Neu-Pensionär gelassen auf sich zukommen. Als Chef der Musikgruppe Wellenbrecher will er sich Zeit zum Musizieren und Komponieren nehmen. Da kann Adalbert Wegmann gestalten, so wie er es in den vergangenen vier Jahrzehnten auch getan hat.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1014943/goode-weg-schule-neuenkirchen-verabschiedet-adalbert-wegmann

 

3. Februar 2018, 08:21 Uhr