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Bronzeguss 520 Jahre alt - Voltlager Kirchenglocke kehrt nach fast 100 Jahren zurück

Ein halbes Jahrtausend alt ist die alte Voltlager Kirchenglocke, die nach 100 Jahren zurückgekehrt ist. Foto: Christian Geers

Voltlage. Landrat Rothert bewahrte die 520 Jahre alte Voltlager Kirchenglocke vor dem Einschmelzen. Im Ersten Weltkrieg sollte sie der Rüstung dienen. Seit 1924 stand sie im Kreismuseum Bersenbrück – nun kehrt die Bronzeglocke nach Voltlage zurück.

Die Voltlager Kirchengemeinde St. Katharina und ihre Glocken – das ist mitunter eine traurige Geschichte. Zu Kriegszeiten mussten die Kirchen ihre Bronzeglocken abgeben, damit aus ihnen Kanonen und Granaten geschmiedet werden konnten. 1870, 1917 und zuletzt 1939 war das der Fall. – nicht nur in Voltlage. Doch einmal gelang es, ein Geläut vor dem Zugriff der Armee zu retten.

Rüstungsindustrie ohne Rohstoffe

Vor dem Ersten Weltkrieg hält Hermann Rothert die Voltlager Antoniusglocke zurück. Wieder einmal war der Rüstungsindustrie der Rohstoff ausgegangen. Der Landrat des damaligen Kreises Bersenbrück schafft sie wegen „ihrer einzigartigen Schönheit in Guss und Inschrift“ zur Seite. Nach Kriegsende wird sie als eine der ältesten Glocken der Region zu einem Schmuckstück im neuen Kreismuseum, das Rothert im früheren Bersenbrücker Kloster einrichtete. Dort steht das 200-Kilogramm-Schwergewicht fast 100 Jahre lang – bis Juli 2017.

Anruf aus dem Kreismuseum

Dann erreicht Maria Knuf die Nachricht, dass das Exponat aus dem Kreismuseum nach Voltlage zurückkehren soll – als Dauerleihgabe. Die Glocke passe nicht mehr in das Konzept des Kreismuseums, das derzeit umgebaut wird, erfährt die Vorsitzende des Heimatvereins Voltlage. Der Landkreis Osnabrück sorgt sogar für einen kostenlosen Transport, und seit gut zwei Wochen steht die Bronzeglocke aus dem Jahr 1497 auf einer Europalette mitten im Heimatmuseum Höckel.

Bronzeglocke mit kleinem Schönheitsfehler

100 Jahre nach ihrer Ablieferung kehrt sie also nach Voltlage zurück. Genauso lange hat die Glocke einen kleinen, aber hörbaren Schönheitsfehler: Sie ist gesprungen. Der feine Riss ist nur auf den zweiten Blick zu entdecken. „Die Antoniusglocke hat zwar noch ihren ursprünglichen Ton, aber der Nachhall fehlt“, sagt Maria Knuf. Doch das schmälert den Wert des Museumsstückes nicht, das mehr als ein halbes Jahrtausend alt und ein bedeutendes Zeugnis der mittelalterlichen Glockengießerkunst ist.

Geeigneter Platz neben der alten Kirchturmuhr

In der nächsten Vorstandssitzung will die Vorsitzende besprechen, wie und wo die Glocke im Heimatmuseum öffentlichkeitswirksam präsentiert werden kann. „In die Kirche kehrt sie nicht zurück, da gibt es keinen passenden Platz.“ Maria Knuf schwebt vor, ein stabiles dreibeiniges Gestell bauen zu lassen und die Glocke in Augenhöhe zu präsentieren. „Dann kann man sie mit einem Gummihammer anschlagen, aber auch genau anschauen.“ Das wäre eine praktikable Lösung, zumal Joch, Beschläge und Klöppel fehlen. Ein geeigneter Platz wäre der neben der alten mechanischen Kirchturmuhr aus dem Jahr 1896, die ebenfalls im Heimatmuseum steht.

Reparatur wäre zu teuer

Eine Reparatur der Glocke soll es nach Knufs Worten nicht geben, die wäre viel zu teuer. „Zwischen 15 und 20 Euro würde es pro Kilogramm Glocke kosten, den Riss zu beseitigen“, hatte sie in einer Glockengießerei erfahren. Das wäre gleich mehrere Tausend Euro, die der Heimatverein aufbringen müsste. Auch ein Schweißen der Bronzeglocke kommt nicht infrage, dabei würde sie ihre Patina verlieren. „Und das wäre einfach zu schade.“

 

Kirchengemeinde schaffte 1946 sechs Stahlglocken an

Ende des 15. Jahrhunderts besaß die Voltlager Kirche zwei Glocken. Die älteste war 1494 gegossen worden, ihre Inschrift lautete: „Sub tuum praesidium confugium sancta Dei Genitrix. Anno MCCCCXCIV“ („Unter Deinen Schutz fliehen wir, heilige Gottesgebärerin. Anno 1492“). Sie wurde während eines Krieges abgeliefert. Die Antoniusglocke stammt aus dem Jahr 1497, wie die Inschrift dokumentiert: „T hau super postes daemones des terret et hostes. Anno MCCCCXCVII“ („Diese unter den Balken schützt vor Dämonen und Feinden. Anno 1497“). Das griechische T (Tau) heißt Querbalken oder Pfahl. 1946, so ist der Chronik von Gerd Sander zu entnehmen, schaffte die Kirchengemeinde ein neues Geläut an. Sie wählte Stahlglocken, um vor weiteren Ablieferungen vorzubeugen. Diese wurden vom Bochumer Verein gegossen und glichen klanglich ihren Vorgängern. Vier Glocken – gestimmt auf die Töne e, a, h und cis – hängen im oberen Glockenstuhl, zwei Glocken mit den Tönen cis und fis darunter. Vier Glocken tragen die historischen Inschriften „St. Maria. Herrn Pfarrer Berentzen zum 30jähr. Ortsjubiläum“, „St. Catharina“, „Hl. Dreifaltigkeit“ und „St. Joannes Baptista“. Die beiden andren heißen „St. Michael – Den Opfern des 2. Weltkrieges“ und „B.M.V. Immaculata“.

Ein Artikel von Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/933246/voltlager-kirchenglocke-kehrt-nach-fast-100-jahren-zurueck