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Ausguck an Sandgrube Herdemann - Merzen besitzt nun einen Terra-Vista-Aussichtspunkt

Ausgestattet ist der Terra-Vista-Aussichtspunkt in Plaggenschale mit einem Panoramabild. Auf ihm bei schlechtem Wetter zu sehen, was in der Ferne zu sehen wäre, wie Sabine Böhme, stellvertretende Geschäftsführerin des Natur- und Geoparks Terra-Vita erläuterte. Foto: Christian Geers

Merzen. Der Natur- und Geopark Terra-Vita ist im Altkreis Bersenbrück um eine Attraktion reicher: Am Rand der Sandgrube Herdemann in Merzen bietet ein neuer Aussichtspunkt einen herrlichen Weitblick in die Landschaft und erlaubt Einblicke in die Erdgeschichte.

Bevor die Gäste der Einweihungsfeier den neuen Aussichtspunkt im Merzener Ortsteil Plaggenschale besichtigen und den beeindruckenden Weitblick genießen können, ist ein kleiner Fußmarsch zu absolvieren. Der führt vom Parkplatz bei der Gaststätte Gerbus über einen neuen Wanderweg, der gut acht Kilometer lang ist und das Gelände rund um Aussichtspunkt und Wacholderhain erschließt.

Heimatverein Merzen richteten Wanderweg her

2,4 Kilometer geht es durch eine herbstliche Landschaft bei spätsommerlichem Wetter. An Baumreihen und Feldern entlang, über öffentlichen Grund, teilweise über den Besitz von Privatleuten, mit denen die Samtgemeinde Neuenkirchen eine Nutzungsvereinbarung geschlossen hat. Unterwegs machen die Wanderer Rast „an einer der schönsten Stellen“, wie Heiner Brinkmann findet. An einer kleinen Anhöhe, nahe des Westerodener Mühlenbachs, dessen Gurgeln nicht zu überhören ist, steht eine massive Holzbank, die der Heimatverein Merzen aufgestellt hat.

Dessen Mitglieder waren es auch, die die Wanderwege hergerichtet haben. Wer mag, kann den Blick schweifen lassen über Wiesen und Felder. Und dabei soll es nicht bleiben: Ein überdachter Rastplatz soll Wanderer künftig vor den Unbilden des Wetters schützen, kündigt Vorsitzender Heiner Brinkmann an. Weiter geht es durch einen Hohlweg, einen Weg, der wie in die Landschaft eingeschnitten wirkt. Die aufgeschütteten Wälle rechts und links sollen noch aus der Zeit stammen, als der Osnabrücker Bischof als Landesherr das Sagen über die Region hatte und hier die Grenze zwischen Westeroden und Döllinghausen festlegte.

Ein Blick in die letzte Eiszeit

Nach einer guten dreiviertel Stunde erreichen die Wanderer den Terra-Vista-Aussichtspunkt in Plaggenschale. Trotz des leicht diesigen Wetters hat die Einladung nicht zu viel versprochen. Der Blick reicht über die bewirtschaftete Sandgrube Herdemann hinweg weit nach Süden. Schnell auszumachen sind die Windräder in Höckel, in der Ferne der Teutoburger Wald und das Kohlekraftwerk Ibbenbüren. Wenn Regenwolken tief hängen und die Weitsicht trüben, verrät ein Panoramabild, was in der Ferne zu entdecken wäre. Auch über die Besonderheiten dieses Areals erfährt der Besucher mehr. Der Saale-Eiszeit vor rund 200.000 Jahren ist es zuzuschreiben, dass im Westen Merzens besonders viel Sand zu finden ist, der heute als Rohstoff dient. Und weil dieser Standort als Terra-Vista-Punkt ausgewiesen ist, sollten Wanderer künftig ihr Handy bereithalten. Mithilfe eines QR-Codes auf den Infotafeln sollen sie weitere Informationen zur Landschaft, zu ihrer Entstehung sowie spannende Anekdoten buchstäblich aufs Ohr bekommen.

Zur Rast ein Hörspiel

„Die Hörspiele werden gerade produziert“, sagte Sabine Böhme, stellvertretende Geschäftsführerin des Natur- und Geoparks Terra-Vita. Sie lobte die gute Zusammenarbeit vor Ort, Gemeinde Merzen, Samtgemeinde Neuenkirchen, Naturpark, Landkreis, Heimatverein und viele freiwillige Helfer hätten einen geologisch und kulturgeschichtlich interessanten Ort in den Fokus gerückt. „Das ist schon eine tolle Gegend.“

Dank an Sandgruben-Betreiber

Ausdrücklich hob Andreas Lanwert die Bereitschaft von Hans-Theo Herdemann hervor. Der Betreiber der Sandgrube habe das Projekt von Anfang an unterstützt. „Das war ein Glücksfall für uns“, sagte der allgemeine Vertreter der Neuenkirchener Samtgemeindebürgermeisterin. Dieser habe unentgeltlich den Hügel für die Plattform modelliert, auf der die Samtgemeinde Schotter aufbringen ließ, den Ausguck mit einem Zaun sicherte und eine Rampe anlegte. „Das ist beste Tourismus- und Wirtschaftsförderung“, stellte Werner Lager fest. Der stellvertretende Landrat würdigte die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, die sich von einem Vorhaben hätten begeistern lassen.

Schröder: Jürgen Herpin gab einst den Anstoß

Merzens Bürgermeister Gregor Schröder erinnerte daran, dass es schon früher Pläne gegeben habe, die Sandgruben touristisch zu nutzen. 2005 hatte eine Gruppe Studierender dazu Ideen entwickelt. Dazu gehörte eine Art Lernstandort, der die Erdgeschichte darstellen sollte. Und er erinnerte an Jürgen Herpin, den früheren Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Osnabrück. Der habe einst den Anstoß gegeben zur Erschließung des Wacholderhains. Den neuen Wanderweg und Aussichtspunkt gelte es nun zu hegen und zu pflegen. „Da zeigt uns die Arbeit den Weg“, schmunzelte er.

 
ZUR SACHE

Terra-Vita setzt Masterplan Wandern um

Der neue Terra-Vista-Aussichtspunkt in Merzen liegt an einem Wanderweg, der auch den wenige Hundert Meter entfernten Wacholderhain erschließt. Der neue, gut acht Kilometer lange Wanderweg, über den auch der Wacholderhain in Plaggenschale zu erreichen ist, zählt zu den Projekten des Masterplans Wandern. Damit will der Naturpark in Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort Wanderern Wege und Routen schaffen. Diese sogenannten Terra-Tracks bieten neben einer schönen Landschaft und einheitlicher Beschilderung auch einen Mehrwert. Das trifft auf den Wanderweg rund um Wacholderhain mit dem neuen Aussichtspunkt zu. Bis zu 100 solcher Tageswanderwege, die zwischen drei und 20 Kilometern lang sind, soll es im Landkreis Osnabrück geben, plant der Natur- und Geopark Terra-Vita.cg

Quelle: Bersenbrück Kreisblatt / Christian Geers

19. Oktober 2018, 07:47 Uhr